MIGRApolis | Fürstenfelder Naturfototage | Marbacher Zeitung
 

 Artikel in der Internetzeitschrift von MIGRApolis, Bonn, am 1. Juli 2009

Verwendung des Textes mit freundlicher Genehmigung von MIGRApolis-Deutschland | Quelle

Himalayan-Impressions

Diashow mit Lifemusik am 26.6.2009 im Pumpwerk in Siegburg

Bericht von Michael A. Schmiedel


Multimedia heißt oft das Zauberwort für ansprechende Präsentationen. Oft handelt es sich dabei um computergesteuerte Shows, die zwar viel Vorbereitung brauchen, dann aber mehr oder weniger auf Knopfdruck ablaufen. Bei diesem Abend im Siegburger Pumpwerk war es anders. Zwar war ein Laptop im Einsatz, doch fungierte dieser nur als Diaprojektor. Alles andere war life, persönlich und großenteils sogar unplugged, da die gute Akustik keine Verstärker verlangte.

Das Programm war zweigeteilt. Zuerst las Klemens Ludwig, seines Zeichens Tibetfachmann, aus seiner Dalai Lama-Biographie vor und zeigte ein paar Bilder, die er auf verschiedenen Reisen nach Tibet selbst gemacht hat. Neben geographischen und historischen Informationen über Tibet und das Leben des Dalai Lama, gab es auch welche über den Buddhismus, allesamt getragen von einer tiefen Sympathie und Hochachtung vor der tibetisch-buddhistischen Kultur und voller Missbilligung für die chinesisch-parteikommunistische Besetzung des Landes.

Fand der erste Teil schon im ersten Untergeschoss statt, so das man trotz des hellen, sonnigen Juniabends nicht abdunkeln musste, so ging es für den zweiten Teil noch ein Stockwerk tiefer. Auf den Stufen brannten stimmungsvoll Kerzen, außer Stühlen gab es auch die Möglichkeit, auf Kissen auf dem Boden oder der Treppe zu sitzen. Der in Köln lebende Franzose Matthieu Rossez zeigte nun Dias aus Osttibet, Nepal, Ladakh und Nordindien, ohne Informationen, außer, dass die Fotos nach den fünf Elementen der Tibetischen Elementenlehre geordnet waren:

Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther. Berge und Wüsten standen für die Erde, Flüsse, Seen, Gletscher, Wolken für das Wasser, Menschen, Tiere, Bäume für das Feuer, religiöse Symbole und die Weite der Landschaften für die Luft und der hohe Himmel über den Bergen für den Äther, wobei jedes Bild mehrere der Elemente zeigte. Bilder von Gebetsfahnen, die die Elemente symbolisierten, fungierten als Kapitelüberschriften. Die fünf Elemente symbolisieren zugleich den Aufstieg des Bewusstseins vom Irdischen über die Zwischenstufen zum Ätherischen. Aber auch ohne die spirituelle Interpretation ließen die Fotos die Herzen von Natur- und Landschaftsliebhabern höher schlagen.

Begleitet wurde die Diashow von Lifemusik der Gruppe Anubhab, ein kleiner deutscher Ableger eines viel größeren indischen Ensembles. An dem Abend spielten Conny Rave auf der Tambura,
einem vornehmlich für einen Bordunhintergrund hinter der Melodie verwendeten Zupfinstrument, der in Siegburg lebende Inder Debasish Bhattacharjee auf Tablas (die beiden sind ja auch Mitglieder der Gruppe DeCoBuRiMa, ehem. CoMaBuDe), sowie nur für ein paar Wochen in Deutschland die Inder Aranya Choudhury auf einer Santur, einem indischen Hackbrett, und Chanbdra Moaan Nath auf einem Harmoium, einer Zither und mit seiner eigenen Stimme. Die vier spielten eine indische Musik, die zwar teilweise vorbereitet, dann aber doch improvisiert war, sehr rhythmisch, mit immer wiederkehrenden Melodiebögen, Gesang fast ohne Text, außer dass beim Foto eines Shivatempels mal „Om nama Shivaya“ anklang, wunderbar geeignet, die Fotos stimmungsmäßig zu untermalen, aber auch, um mit geschlossenen Augen zuzuhören, was ich natürlich während der Diashow nicht tat.

Die etwa dreißig Zuhörer(innen) und Zuschauer(innen) aus Siegburg und Umgebung, darunter auch ein tibetisches Paar, erlebten somit einen tibetisch-indisch-französisch-deutschen Abend, der sich auf die Schönheiten von Natur und Kultur konzentrierte, die hässlichen Seiten menschlichen Machtstrebens und des daraus erwachsenen Leides aber nicht unerwähnt ließ.

Links:

Pumpwerk Siegburg:
http://www.kunstverein-rheinsieg.de/pumpwerk/index.html

Klemens Ludwig:
http://www.tibet-ludwig.de/

Matthieu Rossez:
http://www.le-concept-m.com
http://www.himalayan-impressions.com 

Anubhab:
http://www.anubhab.net/

Hier gibt es noch einen Rückblick auf die Veranstaltung von Matthieu Rossez:
http://www.flickr.com/photos/himalayan-impressions/sets/72157620823127490/

 Artikel auf der Seite des Projekts Natur & Fotografie, am 29. Mai 2009

Ouvertüre zu den Fürstenfelder Naturfototagen

(...) Mit den Melodien zum jeweiligen Jahresthema wird das Ziel verfolgt, neben den Fotografen auch Musikinteressierte für den Naturschutz zu gewinnen.

"Konzert aus Asien“ war der angekündigte Dialog zwischen den asiatischen Klangwelten verschiedener Musiker und den Bildern aus den Ländern auf der Großleinwand. Und so trafen sich auf der Bühne im Stadtsaal viele Künstler aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Inder, Japaner, Mongolen aber auch Franzosen und Deutsche traten mit Sitar, Tabla, Taiko-Trommeln oder Morin Khoor auf und erzeugten ungewohnte Töne und Melodien. Alle Musiker sind auf ihrem Gebiet herausragende Künstler und schon in vielen Ländern der Welt aufgetreten - in der Fürstenfeldbrucker Zusammensetzung war ihr Auftritt aber eine Weltpremiere.

Gemeinsam mit den 270 Besuchern im Stadtsaal unternahmen die 12 auftretenden Künstler auf der Bühne eine akustische Reise durch Indien, Nepal, Tibet, Japan und der Mongolei.

Begonnen wurde diese Reise zu den Himalaja Impressionen des Franzosen Matthieu Rossez und mit den Ländern Indien, Nepal und Tibet. Zu den fünf Elementen des Buddhismus Wasser, Erde, Feuer, Wind und Raum begeisterten Christian Noçon und der Inder Hindol Majumdar das Publikum vor allem mit ihren Soli auf der Sitar und an den Tablas. Das musikalische Duo gab dabei an ihren Instrumenten tiefe Einblicke in die hohe Kunst von Raga und Tala.

(...)

Zum Abschluss des zweieinhalbstündigen Konzertes präsentierten sich zum Trommelschlag
von Okumikawa Daiko noch einmal alle beteiligten Künstler dem begeisterten Publikum auf der Bühne.

„Konzert aus Asien“ vermittelte einen akustischen Genuss für die Sinne und Entspannung für die Seele. 

 Artikel in der Marbacher Zeitung am 27. November 2008

Die Dynamik der Partnerschaft pflegen

Andrea Opitz

Der Naturfotograf Matthieu Rossez aus L"Isle-Adam hat Marbach besucht

Marbach. "Eine echte Partnerschaft kennt keine Grenzen", beschreibt Matthieu Rossez seine Vision. Der Künstler aus L"Isle-Adam hat am Wochenende Station in der Schillerstadt gemacht. Vor allem bei Schnee fühlt sich der 36-Jährige wie in einem Märchen.

Von Andrea Opitz

Matthieu Rossez ist Naturfotograf, Sänger, Maler und Autor - ein Multitalent also. Auch sprachlich macht ihm niemand so schnell etwas vor. Der gebürtige Adameser hat Deutsch und Englisch studiert. Der nepalesischen Sprache ist er genauso mächtig wie der Schwäbischen. "Passt scho" gehört jedenfalls zu seinem Wortschatz. "Hock di no", hat er ebenfalls in seinen Begriffsvorrat eingespeichert. Vor 13 Jahren hat Matthieu Rossez seiner Heimatstadt L"Isle-Adam den Rücken gekehrt. Heute lebt das Sprachentalent in Köln. Immer wieder führen ihn seine Wege nach Marbach.

An einen seiner ersten Besuche in Marbach erinnert er sich noch ganz genau. Mitte der 1990er Jahre hat Rossez ein halbjähriges Praktikum als Französischlehrer am Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG) absolviert. "Manche der Schüler waren genauso alt wie ich damals", schmunzelt er. "Ich bin davon ausgegangen, dass in den deutschen Schulen mehr Disziplin herrscht", wundert sich Matthieu Rossez noch heute.

Marbach steht für den Franzosen jedenfalls für die Verwirklichung seiner Vision. Wenn es nach ihm ginge, würden die Menschen eine globale Partnerschaft eingehen, in der es keine geografischen Grenzen gibt. Gerade jetzt, kurz nach dem 20-jährigen Jubiläum der Partnerschaft zwischen Marbach und L"Isle-Adam, entdecke er eine Dynamik zwischen den Deutschen und den Franzosen, die es gelte aufrechtzuerhalten. "Ich habe hier in den vergangenen Jahren tolle Leute kennen gelernt. Es sind Freundschaften entstanden, die noch andauern." Als Adameser habe er das Gefühl, hier immer willkommen zu sein.

Immer wieder entdeckt der 36-Jährige neue Gepflogenheiten seiner schwäbischen Freunde. Am Wochenende hat er gemeinsam mit seinem Gastherren Ulrich Frech zum ersten Mal eine Besenwirtschaft besucht. Die Bratwurst mit Sauerkraut hat dem sympathischen Franzosen gemundet. Auch sonst hat er sich inmitten der geselligen Weinzähne wohl gefühlt. "Es war total lustig", sagt er und schmunzelt.

Tags zuvor hat der Fotograf Rossez in Stuttgart-Vaihingen eine musikalisch untermalte Diaschau präsentiert, in der er seine spirituellen Naturfotos aus Nepal gezeigt hat. Seine Kollegen Bihari Sharan und Shilan Anderson haben ihn mit Live-Musik dabei unterstützt. Die Kunst sieht Matthieu Rossez als Verbindungsglied zwischen den Partnerstädten Marbach und L"Isle-Adam. Seinen schwäbischen Freunden würde er seine Präsentation gern vorstellen. Er könne es sich zudem gut vorstellen, den Kontakt zur Tüftler-AG des Friedrich-Schiller-Gymnasiums herzustellen, die kürzlich von einer Indienreise zurückgekehrt sind.

Insgesamt viermal ist der Naturfotograf in den Himalaya, nach Island und nach Ägypten gereist. "Die Weltreligionen kann man am besten verstehen, wenn man das entsprechende Land auch besucht", weiß Matthieu Rossez.

27.11.2008 - aktualisiert: 27.11.2008 15:09 Uhr

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